Tipps für die Arbeit mit Dolmetschern


Die folgenden Ratschläge helfen Ihnen, ein mit Hilfe eines Dolmetschers geführtes Gespräch effektiv, erfolgreich und für alle Beteiligten zufriedenstellend zu gestalten.

Tipps für die Arbeit mit Dolmetschern

1. Auswahl des Dolmetschers


Die Kriterien für die Auswahl eines Dolmetschers sind – neben der passenden Sprachkombination – die Art des Dolmetschens, die Fachkompetenz des Dolmetschers, seine Spezialgebiete und ggf. seine Beeidigung.

Simultanes Dolmetschen wird bei Konferenzen und ähnlichen größeren Veranstaltungen benötigt. Der Dolmetscher hört den Sprecher über Kopfhörer und spricht gleichzeitig – besser gesagt: parallel mit diesem, mit einer kleinen zeitlichen Verzögerung.

Konsekutives Dolmetschen ist die häufigste Art des Dolmetschens: der Sprecher sagt jeweils nur einen Satz, dann macht er eine Pause, in welcher der Dolmetscher den Satz übersetzt, etc. – Satz für Satz.

Vom qualifizierten Dolmetscher können Sie Fachkompetenz im Hinblick auf die Dolmetscher­tätigkeit erwarten sowie die Beherrschung der Sprachen.

Ein vereidigter Dolmetscher/Übersetzer wird von Gerichten, Notaren, Anwälten, Polizei u.ä. benötigt (sowie zum Anfertigen beglaubigter Übersetzungen von Dokumenten, die für eine Behörde bestimmt sind, wie Urkunden, Zeugnisse etc.).
Er ist vertraut mit der Rechts- und Geschäftssprache und kennt sich meist in einem oder mehreren weiteren Fachgebieten aus. Er ist verpflichtet, unparteiisch zu sein und die Schweigepflicht einzuhalten.

Ein Muttersprachler kennt neben seinen Sprachen auch die kulturellen Hintergründe und Regeln, er kann Andeutungen, Doppeldeutigkeiten, Humor u.Ä. besser erfassen. Er hat die besten Voraussetzungen, ein Mittler im eigentlichen Sinn zu sein.

Andere Personen wie ein Verwandter, Freund, Nachbar, Kollege oder die berüchtigte Putzfrau könnten als ‚Dolmetscher‘ billiger sein – aber:
Sie können sich nicht darauf verlassen, dass die Übersetzung inhaltlich korrekt ist;
Eine persönliche Beziehung kann die Objektivität der Gesprächsteilnehmer beeinträchtigen;
Die Anwesenheit einer solchen Person kann Ihren Gesprächspartner davon abhalten, offen zu sprechen, vor allem wenn es um intime medizinische, juristische oder andere persönliche Dinge geht.

 

2. Erstkontakt


Beim ersten Kontakt mit dem Dolmetscher sollten Ort, Zeit, Dauer und Thema des Geprächs sowie Honorarfragen geklärt werden und auch, ob konsekutiv (Satz für Satz) oder simultan (gleichzeitig) gedolmetscht werden soll.

Lassen Sie dem Dolmetscher – vor dem Termin – Unterlagen zum Thema des Gesprächs zukommen (z.B. Vertragstext, Firmenprospekte). Er kann sich mit ihrer Hilfe auf das Gespräch vorbereiten, sich mit dem Fachvokabular vertraut machen und so das Gespräch schneller und präziser übersetzen.

Planen Sie Ihren Termin so, dass Sie ein paar Minuten Zeit für eine kleine Vorbesprechung mit dem Dolmetscher haben.

 

3. Vor dem Gespräch


Sie können bei diesem Vorgespräch mit dem Dolmetscher organisatorische Dinge (z.B. die Sitzordnung) und eventuelle Sonderwünsche abklären (z.B. wenn Ihr Gesprächspartner ein Formular mit Hilfe des Dolmetschers ausfüllen soll).

Der Dolmetscher wird sich Ihrem Gesprächspartner als Dolmetscher vorstellen und soweit möglich ein paar Worte mit ihm wechseln, um die Verständigung zu testen und etwas über den Dialekt oder andere Besonderheiten zu erfahren.

Der Dolmetscher kann Sie dann z.B. über die richtige Aussprache des Namens Ihres Gesprächspartners aufklären, oder über kulturspezifische Besonderheiten, welche beim Gespräch und beim Umgang mit Ihrem Gesprächspartner eine Rolle spielen könnten.

 

4. Sitzordnung


Wo Sie, Ihr Gesprächspartner und der Dolmetscher Platz nehmen, kann großen Einfluss auf das Gespräch haben. Sie können zwischen verschiedenen Möglichkeiten wählen, jede Anordnung hat jeweils Vor- und Nachteile:

im gleichschenkligen Dreieck

Alle Beteiligten können einander gut sehen.
Der Abstand betont den formellen, neutralen Charakter des Treffens.
Die Versuchung ist größer, sich beim Sprechen an den Dolmetscher zu wenden und in indirekter Rede zu sprechen („Fragen Sie ihn, ob er …“)
Alle Beteiligten drehen ihre Blicke ständig hin und her.

der Dolmetscher neben Ihnen, Ihr Gesprächspartner gegenüber

So können Sie und Ihr Gesprächspartner einander am besten sehen.
Es fällt in dieser Anordnung leichter, sich beim Sprechen an den Gesprächspartner zu wenden.
Niemand muss ständig den Kopf drehen zwischen seinem Gesprächspartner und dem Dolmetscher.
Es kann Ihnen anfangs schwer fallen, dem Dolmetscher zuzuhören, ohne ihn anzusehen.

5. Gesprächsbeginn


Stellen Sie alle Beteiligten in ihrer jeweiligen Funktion vor.

Teilen Sie ihnen die geplanten Plätze zu.

Teilen Sie Ihrem Gesprächspartner ggf. mit, dass das Gespräch vertraulich behandelt wird (Schweigepflicht des Dolmetschers).

Ermuntern Sie ihn, bei Unklarheiten nachzufragen.

 

6. Während des Gesprächs


Richten Sie Ihre Worte direkt an Ihren Gesprächspartner – nicht an den Dolmetscher!

Sagen Sie nicht: „Sagen Sie ihm, dass er…“. Der Dolmetscher sagt ohnehin nicht vor jedem Satz: „Er sagt, ich soll Ihnen sagen, dass Sie …“. – Wenn Sie Ihr Gespräch in dieser Art führen, wird der Dolmetscher Ihre Sätze gezwungener­maßen umformulieren – oder er wird unterbrechen und Sie bitten, in direkter Rede zu sprechen.

Machen Sie nach jedem Satz eine Pause!

Geben Sie dem Dolmetscher rechtzeitig Zeit zum Übersetzen, wenn konsekutiv, also Satz für Satz gedolmetscht wird. Je länger die zu übersetzenden Passagen sind, desto größer ist das Risiko, dass etwas ‚verloren geht‘. – Es kann etwas Übung erfordern, da man sonst nicht gewohnt ist, Pausen im eigenen Redefluss einzulegen.

Zeigen Sie beim Sprechen Ihre normale Gestik, Körpersprache und Emotionen – sie sind Teil der Kommunikation. Ihr Gesprächspartner beobachtet Sie. Halten Sie den gleichen Blickkontakt mit ihm wie in einem Gespräch ohne Dolmetscher. Der Dolmetscher übersetzt alles, was gesagt wird, ohne eigene Zusätze und ohne etwas wegzulassen – er spricht aber nicht unbedingt mit der gleichen emotionalen Färbung.

Der Dolmetscher erklärt auch nicht den Inhalt des Gesagten, z.B. Fachbegriffe. – Ihre diesbezüglichen Fragen übersetzt er, ebenso wie die Antworten.

Falls es im Laufe des Gesprächs nötig sein sollte, es zu unterbrechen, um etwas nur mit dem Dolmetscher zu besprechen, setzen Sie höflicherweise vorher Ihren Gesprächspartner davon in Kenntnis. Von ihm erwarten Sie das ja auch.

 

Vermeiden Sie möglichst

Witze, insbesondere Wortspiele – sie sind häufig schwer zu übersetzen.

Dialektausdrücke – sie können in der Übersetzung nicht als solche wiedergegeben werden. Versuchen Sie, Gastfreundschaft oder Informalität auf andere Weise auszudrücken.

Fremdsprachen zu sprechen, die Sie schlecht beherrschen. (Wenn Sie sie gut beherrschen, brauchen Sie keinen Dolmetscher.)
Versuchen Sie ggf. auch Ihren Gesprächspartner davon abzubringen, schlechtes Deutsch zu sprechen. (Wenn er gut deutsch spricht, brauchen Sie keinen Dolmetscher.)

 

7. Nach dem Gespräch


Eine kleine Nachbesprechung mit dem Dolmetscher kann sinnvoll sein. Er kann Ihnen eventuelle nicht zur Sprache gekommene Auffälligkeiten des Gesprächs mitteilen bzw. erklären. Eventuell aufgetretene Probleme können angesprochen und beim nächsten Mal vermieden werden.

 

Druckversion


PDF-Download

 

Diese Tipps als PDF-Datei

Scroll Up